Warum Streetfood Festivals in Deutschland nur für Gäste funktionieren, die kein echtes Streetfood kennen.

Streetfood sprießt aus dem Boden. Egal, ob wir hier von den Festivals reden oder den guten alten mobilen Varianten, die jetzt Foodtrucks genannt werden. Früher waren das nicht mehr als Imbißwagen. Da hat man wohl deutlich am Image gearbeitet.

Seit einigen Jahren hält der Trend hier Einzug, wie immer zunächst in den Großstädten. Doch inzwischen kann sich auch die Kleinstadt nicht mehr Stadt schimpfen, ohne nicht mindestens ein Streetfood Festival im Jahr organisiert zu haben.

Woher kommt Streetfood?

Streetfood ist nur in Europa und den USA als Trend zu bezeichnen. In Asien und Afrika ist es – klima- und bürokratiebedingt – nicht unüblich, dass man Essen auf der Straße verkauft. Und genau aus diesen Ländern hat man sich den Trend abgeschaut.

Dass viele verschiedene Anbieter Schulter an Schulter Essen zubereiten, schafft ein unglaubliches Angebot und eine einzigartige Atmosphäre. In den kleinen Ständen gibt es zumeist ein Gericht in mehreren Variationen, jeder schafft sich ein kleines Alleinstellungsmerkmal. Außerdem werden frische Getränke und Früchte aus dem Heimanbau mitgebracht.

So ist es schon auf einem kleinen thailändischen Markt kaum möglich alle Gerichte durchzuprobieren.

Wie sieht Streetfood in Deutschland aus?

Anders. Die Idee ist gut. Nicht immer nach Asien fliegen zu müssen, um in den Genuss der variantenreichen Straßenküche zu kommen. Kleinen Anbietern eine Chance geben, ihr Produkt vorzustellen.

Nur leider stehen dann zehn aufpolierte und perfekt durchgestylte Food Trucks in einem Kreis, die Gerichte sind nicht alle unbekannt, was als authentisch bezeichnet wird, ist für mich eher fragwürdig. Erinnert mich viel mehr an den Foodcort einer Mall als an Streetfood. (Hier schreibe ich eher von den kleineren, neueren Festivals).

Konzept muss der Truck haben. Laut vielen Gastronomen das Wichtigste. Wiedererkennbar. Etwas, das die Leute noch nicht kennen. Ob man selbst Ahnung, egal. Dann hängt gerne auch mal ein Buddha Kopf an den asiatischen Trucks, ein No-Go für viele Buddhisten (man muss bedenken, dass ursprünglich jeder Buddha Kopf auf Buddha Schultern war).

Warum funktioniert Streetfood in Deutschland so (schlecht)?

Das „schlecht“ muss hier in Klammern stehen. Kommerziell sind die meisten Street Food Angebote nämlich äußerst erfolgreich, was mich aber schon zum ersten Punkt bringt.

  1. Überteuert: Der Stand muss sich lohnen. In vielen südostasiatischen Ländern ist das grundlegend anders. Klar, man will Geld verdienen, aber das braucht lange nicht so viel Konzept und Kalkulation wie in unseren Landen. Wo in Laos die Rentnerin einen größeren Topf Suppe kocht und ein paar Bananen aus dem eigenen Garten pflückt, um so an der Straße ein paar Portionen verkaufen zu können, muss der stolze Foodtruck Besitzer sich Standmiete, Team, Truck und Wareneinsatz verdienen. Und ich meckere hier nicht über den Preis. Durch diesen Zwang zur Kalkulation und Planung verliert das Streetfood seinen spontanen und zusammengewürfelten Charme.

 

  1. Überreguliert: Natürliche sind Standmiete und Kosten nicht der einzige Faktor. Selbst wenn unsere laotische Rentnerin hierzulande ihre Suppe verkaufen wollte, dürfte sie das nicht. Nahrungsmittel werden hierzulande streng überwacht, kontrolliert, zertifiziert, doppelt, dreifach bevor man sie offiziell verkaufen darf.

 

Diese beiden Faktoren machen für mich den Unterschied zwischen Streetfood und einem durchgeplanten Trend Event. Für den geneigten Leser muss das jetzt aber erstmal so klingen, als wäre daran nichts zu ändern. Keine Hoffnung für deutsche Streetfood Fans.

 

Hoffnung und Zukunft

Dieser Blog beschäftigt sich mit der Zukunft. Für Gastronomen und Gäste. Und dieser Blog hofft, dass die Zukunft eher in Richtung des authentisch-ehrlichen Streetfoods geht. Dafür gibt es starke Anzeichnen.

Wir reisen mehr, sehen mehr. Flugtickets werden auch heute noch günstiger. Die Jugend bleibt reiselustig. So werden immer mehr Menschen echtes Streetfood erleben und auch echtes Streetfood fordern. Außerdem gibt es da die sozialen Medien und die Blogs, die hier Aufklärungsarbeit leisten.

Authentisch ist in diesen Zeiten also der zukunftsweisende Weg für alle Gastronomen, die sich mit Streetfood befassen wollen.

 

Ein Lichtblick

Zum Abschluss noch ein Lichtblick. Ein Jahrzehnte altes Beispiel dafür, dass echtes Streetfood auch in Deutschland funktionieren kann. Und wieder ist die Hauptstadt richtungsweisend.

Ich meine natürlich den Thai Park in Berlin. Hier verkaufen zum großen Teil thailändische Einwanderer hausgemachte und authentische Köstlichkeiten. Kleine Stände. Nix Konzept. Nix durchgestylt. Nix reguliert. Zurzeit von den Behörden „geduldet“.

Hier noch ein Video von echten Streetfood in Deutschland:

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Viel Spaß im Preußenpark in Berlin 😊