Zeitungen. Bücher. Formulare. Die Tablets und Smartphones verdrängen die guten, alten toten Bäume. Einige Unternehmen haben sich bereits auf die Fahne geschrieben, auch die Speisekarte zu revolutionieren. Die digitale Speisekarte soll Ihr Angebot auf mobile Endgeräte bringen. Doch was haben Sie davon?

Ich habe mir ordentlich den Bauch vollgeschlagen und dabei verschiedene Formen der digitalen Speisekarte getestet. Außerdem habe ich mit verschiedenen Gastronomen geredet, um nicht nur aus Sicht der Gäste berichten zu können.

Die wohl üblichste Form der digitalen Speisekarte ist dabei das Tablet, über das die Gerichte betrachtet und bestellt werden können. Ich möchte hier eine kurze Übersicht geben, welche Vor- und Nachteile DIESE Form der digitalen Speisekarte für Gast und Gastronom mit sich bringt. Andere – innovativere – Formen der digitalen Speisekarte werde ich in einem späteren Artikel vorstellen.

 

Nachteile der digitalen Speisekarten

 

Fangen wir mal unkonventionell mit den größten Nachteilen und Bedenken an. Die großartigen Vorteile finden Sie weiter unten im Artikel. Außerdem beziehe ich mich insbesondere hier explizit auf die Form der digitalen Speisekarte, die auf restauranteigenen Tablets angezeigt wird.

 

Nachteil 1 – Kosten, Aufwand, Mühen

Die   lassen sich ihren Service natürlich bezahlen. Auch hier gibt es unterschiedliche Preismodelle, aber bis jetzt müssen Sie mit einmaligen oder monatlichen Kosten rechnen.

In der Regel müssen auch Tablets beschafft und regelmäßig ersetzt werden. Bei einem Durchschnittspreis von knapp 300€ pro Tablet und 500-1000 Ladezyklen, die der Akku übersteht, ist dies wohl der größte Kostenpunkt der digitalen Speisekarte.

Außerdem müssen Mitarbeiter – und auch immer wieder neue Mitarbeiter – in die Benutzung eingewiesen werden. Ich habe die Benutzung des „Backends“ zweier Modelle testen können und die Benutzung ist, zugegeben, nicht kompliziert. Trotzdem muss ich das Servicepersonal erstmal ein- bzw. umgewöhnen.

 

Nachteil 2 – Anfälligkeit und technisches Versagen

Traditionelle Speisekarten sind sperrig, unflexibel und oft nicht ansprechend. Aber dafür sind sie immer da, treu, verlässlich und nicht durch Ausfälle bedroht. Für die digitale Speisekarte sieht das anders aus.

Hier kann der Akku unverhofft zur Neige gehen. Bei stationären Geräten am Tisch sind Software-Fehler auch nicht auszuschließen. Liegen die digitalen Speisekarten ferner auf Servern von Dritten, sind Sie auch von deren Verlässlichkeit abhängig.

 

Nachteil 3 – Akzeptanz

Smartphones und Tablets sind Teil unserer Lebenswelt. In Deutschland hätte jedoch gerade eine Bevölkerungsgruppe bei der Bedienung von rein digitalen Speiseangeboten Probleme: Unsere Mitbürger im Alter von 55+ Jahren.

Gerade unter den älteren Mitbürgern ist die Smartphone Nutzung noch nicht allzu verbreitet, die Bedienung noch nicht intuitiv ins Hirn gebrannt. Stellen Sie also voll auf die digitale Version ihrer Menükarte um, sollten Sie ein eher junges Zielpublikum haben.

Trotzdem ist erwähnenswert, dass der Anteil der Smartphone Nutzer auch unter Senioren rapide steigt. Die Tendenz ist auch hier DIGITAL.

 

Vorteile der digitalen Speisekarte

 

Schon beim Nachteil der Akzeptanz, schwingt die Negativität in letzter Zeit um. Betrachtet man die Gesamtbevölkerung ist die Akzeptanz schon lange ein Vorteil der digitalen Speisekarte.

 

Vorteil 1 – Akzeptanz

In Deutschland haben 8 von 10 Personen ein Smartphone. Tendenz steigend. Vor allem wird das Smartphone als Suchmaschine genutzt, man will sich mobil Informationen beschaffen. Hier spricht die digitale Speisekarte für sich. Liegt die Speisekarte digital vor, kann der Gast auch online sehen, was Sie anbieten. So stehen Sie modern neben allen anderen digitalen Angeboten, statt als Relikt aus einer veralteten Branche zu gelten.

Unter den jungen Gästen – den zukünftigen Stammgästen in Ihrem Restaurant – sind die   noch eindeutiger.

 

Vorteil 2 – Flexibilität

Eine Speisekarte muss man drucken. Für eine schöne, analoge Speisekarte fällt noch Aufwand für Design und Photographie an. Will man seine Speisekarte ändern oder ergänzen, geht das ganze Spiel von vorne los. Kein Wunder, dass man auch in jahrzehntealten Speisekarten noch Rechtschreibfehler findet. Ist ja auch ein ziemlicher Aufwand, diese zu entfernen.

Ganz zu schweigen von den Mittagsangeboten, der Saisonkarte, den lieblosen Zetteln, die in die Karte gelegt werden und sich bei jeder Windböe vom Tisch verabschieden.

Wieder ein Trumpf für die digitale Speisekarte. Änderungen passieren schnell, je nach gewähltem Anbieter mit wenigen Klicks. Das Design ist zumeist auch kein Problem, man nutzt die digitalen Vorlagen des Anbieters.

Vorteil 3 – Fokus auf der visuellen Darstellung

Unsere Aufmerksamkeitsspanne nähert sich immer weiter der eines Goldfisches an. Wir lesen ungerne, überfliegen lieber. Da ist eine rein textliche Speisekarte kein Augenschmaus.

Gäste lesen so nur die Hälfte und für den – potentiellen – nächsten Besuch bleibt auch keine schmackhafte Alternative, die der Gast unbedingt noch ausprobieren wollte, im Kopf. Bilder werden einfach besser verarbeitet und länger behalten.

Die digitale Speisekarte ermöglicht es, Bilder sehr einfach einzubinden. So passt sie nicht nur besser in diese Ära der Gastronomie, sondern auch besser zu den Gehirnen ihrer Gäste!

 

Vorteil 4 – JEDER kann die digitale Speisekarte „lesen“

Wieder ein Vorteil, der sich aus den Bildern und der Visualität der digitalen Speisekarten ergibt. Denn gerade in Touristenregionen setzen Gastronomen verstärkt auf bebilderte Speisekarten, sodass auch die ausländischen Gäste schnell und angenehm das Gericht ihrer Wahl finden.

Natürlich ist das auch mit einer analogen Speisekarte möglich. Nur auch weitaus komplizierter. Fotodrucke sind teuer, wenig flexibel und lange nicht so intuitiv verständlich. Schließlich ist die Bedienung eines mobilen Endgerätes weltweit einheitlich.

 

Vorteil 5 – Alle Daten in der Übersicht

Was möchte der Gast über ein Gericht wissen, bevor er es kauft? Was es ist, was es kostet. Fertig.

Oder?

Nicht alle Gäste können so denken. Denken wir an die Allergiker und Gäste mit Unverträglichkeiten. Oft müssen diese Gäste nach einer Allergiker-Karte fragen. Wenn es diese nicht gibt, müssen sie mit Kellner, Koch und Gastronom diskutieren, welches Gericht für ihn verträglich ist.

Die meisten digitalen Speisekarten erlauben Gastronomen, dieses Problem zu umgehen. Allergene, Zusatzstoffe und Informationen zu Lebensmittelpräferenzen können zu jedem Gericht hinzugefügt werden.

So erkennt jeder Gast welches Gericht für ihn in Frage kommt und welches nicht.

 

Fazit: Sollten Sie die Digitale Speisekarte verwenden?

 

Meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile der digitalen Speisekarte deutlich deren Nachteile. Doch auch hier müssen Sie abwägen. Ob der Einsatz sich für ein Restaurant lohnt, ist im Vorhinein nicht mit Sicherheit zu sagen. Das zeigt sich für jedes Restaurant nach einer Versuchsphase. Diese ist jedoch – siehe Nachteil 1 – oftmals kosten- und zeitintensiv.

Ob so eine Testphase ein sinnvoller Ansatzpunkt für Ihre Modernisierung und Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Digitalisierung ist, hängt (unter anderem) von folgenden Faktoren ab:

  • Alter und Altersreichweiter Ihrer Gäste
  • Umfang und Dynamik Ihrer Speisekarte
  • Servicekonzept (wie wollen die Gäste betreut werden)
  • Flexibilität Ihres Personals
  • Preisklasse Ihrer Gerichte

Am Ende müssen Sie genau überlegen, welche Innovationen Sie testen. In der nächsten Woche werde ich jedoch einen besonderen Anbieter für die digitale Speisekarte vorstellen, der mit seinem innovativem Konzept noch einige Vorteile ergänzt und einen Nachteil gänzlich ausmerzen kann.

Bis zum nächsten Artikel und viel Freude beim bereiten von Gaumenschmäusen😊